Auf der Straße werden sie lebendig:
Witze rollen in
Draht und Pappmache´
„Countdown“ bei den Wagenbauern läuft – Katholische Jugend
St. Peter werkelt in Wallersheim
VON BETTINA TOLLKAMP-BRETZ
„Irgendwie moßte e
besje verröckt säin, om dat hier ze mache!“ Heinz-Peter Geiter guckt sich
lachend in der hohen Halle um: Riesige Schiffe schaukeln da auf erstarrten
Wogen, Palmen recken sich gegen die stählernen Dachträger, klobige Gestalten
grinsen ins Leere – unbewegliche Versatzstücke, die erst vor der lärmenden
Kulisse des Straßenkarnevals lebendig werden. Noch übertönt lautes gehämmere
die Fastnachtsschlager, Blaumann und Overall ersetzen die närrischen Kostüme.
Im Wallersheimer Industriegebiet laufen die letzten Vorbereitungen an den
Motivwagen der Kampagne 87. Hier werkelt auch die Karnevalsgruppe der
Katholischen Jugend St. Peter, der wir beim bauen zugeschaut haben.
Vorneweg:
Verraten wird noch nichts! Motiv, Sprüche und Kostüme sind bei allen Gecken
bestgehütetes Geheimnis, da macht auch die KaJu St. Peter keine Ausnahme. „Die
Überraschung beim Zug ist doch unheimlich wichtig“, weiß Heinz-Peter Geiter.
Der 22-jährige ist der Organisator und von Anfang an mit dabei – nun schon zum
sechstenmal. Damit gehört er auch zu den „Oldies“ der 40köpfigen Gruppe von
Schülern, Auszubildenden und Studenten, der jüngste ist ganze zehn Jahre alt.
Die
KaJu fährt beim Straßenkarneval unter dem Schutz der Wallersheimer Möhnen
„Fidele Mädcher“ mit, denn die gehören der AKK an – Vorraussetzung für die
Teilnahme. Ansonsten sind die Jugendlichen eingeständig, sie planen,
organisieren und bauen ihre Wagen selbst. „1982, direkt beim ersten Mal, haben
wir den ersten Preis für unseren Motivwagen geholt“, erzählt Geiter, „das war
natürlich ein irrer Ansporn und wir haben weitergemacht.“ Es kamen noch etliche
Preise dazu, die Wallersheimer KaJu ist inzwischen bekannt für witzige Ideen
und Einfälle. Doch ohne Fleiß kein Preis:
„Seit Weihnachten sind wir jetzt
wieder an der Arbeit – seit dem ist es mit Freizeit ,zappe’!“mit einer großen
Vorbesprechung fängt alles an. Da werden Vorschläge gesammelt und über das endgültige
Motiv beraten. Jede Stimme, auch die der Jüngsten, hat Gewicht, entschieden
wird schließlich streng demokratisch nach dem Wille der Mehrheit.
„Und dann
geht´s los!“ Ein harter Kern hat sich herausgebildet, der die Pläne macht, für
Technik und Aufbauten zuständig ist, organisiert und koordiniert. Andreas Bilo,
Ralf Goldberg, Lothar Simon, Heinz-Peter Geiter, Bernd Krott und Wolfgang Theis
treffen sich zwei Monate lang fast jeden Abend in der Halle, Samstags kommen
dann die vielen großen und kleinen Helfer dazu – „da herrscht echt das absolute
Chaos, aber es macht Spaß!“
Inzwischen haben sich auch die anderen Gruppen in
der Halle an den närrischen Nachwuchs gewöhnt, der unbekümmert und recht
unkonventionell Gerüste zusammenschustert, verdrahtet und bekleistert. So
unheimlich exakt geht’s da nicht zu, auf Feinheiten wird großzügig verzichtet –
„es muß ja eh nur zwei Tage halten“. Viel wichtiger ist die Technik: „Der
Lothar Simon hat unheimlich was drauf, der kriegt das immer toll hin.“ Diesmal
wird’s sich gleich dreimal drehen und heben, wippen und schwenken … aber
psssst, das ist ja ein Geheimnis!
Während also der Techniker „Härtetest“ macht,
sitzen die Kostümschneiderinnen an den Nähmaschinen. Die KaJu läuft mit gesamter
Mannschaft einheitlich kostümiert auf, eine Riesenarbeit – da glühen die Nadeln. Und weil beim Zug
nicht nur das Auge was geboten haben will sondern auch der Magen, geht
Chef-Organisator Geiter auf den Fischzug. „Wir haben extrem niedrige
Teilnehmergebühren, sonst könnten sich die Kinder das ja gar nicht leisten.
Also sind wir auf Spenden angewiesen, in Bar und in Naturalien. Aber bisher
hat´s immer noch geklappt – wir schmeißen wie die Dollen.“
Fazit: Bei der KaJu
ist die Stimmung gut, Besorgnis gibt´s nur wegen des Wetters und wegen des
Publikums: „Manche Leute stehen an der Zugstrecke, unkostümiert und bierernst –
die wollen nicht lachen, die wollen nur Bonbons! Schließlich machen wir das
Ganze ja nicht nur für uns, die Leute sollen doch ihren Spaß haben.“ In diesem
Sinne – Olau. |